Von Überraschungsparties und anderen Abschieden
Von Überraschungsparties...
Am Freitag, den 18. August war es endlich soweit. Ich sah einige meiner Freunde nach ein paar Wochen wieder, die durch das Vorbereitungsseminar etc. zustande kamen. Wir haben uns zum Mittagessen in Karlsruhe verabredet und ich war froh, dass ich die Zeit mit ihnen genießen konnte.Als mein Freund und ich uns dann danach auf den Heimweg machten dachte ich, dass wir jetzt zu mir nach Hause fahren. Falsch gedacht, es kam die Antwort "Aber ich muss noch was für die Ausbildung machen" - also doch zu ihm Heim. Nach zwei Stunden bei ihm zuhause war ich schon ein wenig genervt, weil ich eigentlich doch einfach nur Heim wollte und auch noch Sachen zum Packen herrichten. Irgendwann hatte ich mich aber mit meiner Situation abgefunden, dass ich jetzt doch noch nicht nach Hause komme, und habe noch ein bisschen geschlafen.
Auf einmal wurde ich abrupt mit den Worten "Wir müssen jetzt gehen!" aus meinem Mittagsschlaf gerissen. Wie wir müssen jetzt gehen? Die ganze Zeit wolltest du nicht zu mir nach Hause und jetzt wo ich schlafe müssen wir auf einmal gehen? Also gut... im Halbschlaf bin ich dann mit meinem Freund zu mir nach Hause gefahren, schließe die Tür auf und wollte hoch in mein Zimmer laufen um meine Tasche abzustellen und meine Schuhe auszuziehen (und eigentlich um mich hinzulegen und weiterzuschlafen:D) aber dann kam schon aus dem Keller die Stimme von meiner Mama: "Komm mal gleich runter bitte".
Als ich dann in den Keller kam war dieser geschmückt, Blumen standen auf den Tischen, zwei bis drei Gäste waren schon da und meine Mama stand grinsend vor mir und sagte "Wir haben 'ne Überraschungsparty für dich, freust du dich?". Und ja, eigentlich habe ich mich total gefreut, aber ich war in dem Moment einfach noch total verschlafen und hab das alles nicht so ganz begriffen.
Im Laufe des Abends habe ich mich dann immer mehr gefreut, auch als Gäste dazu kamen mit denen ich nicht gerechnet hätte, und es ist eine super schöne Party geworden.
Ich habe wirklich nichts davon mitbekommen, obwohl gefühlt JEDER außer mir davon wusste.
Meine Mutter hat dann noch ein "Abschiedsbuch" geplant, das die Gäste über den Abend ausfüllen mussten, das ich selbst aber erst im Flugzeug anschauen darf. Ich denke, wenn ich es angeschaut habe werde ich euch dazu auch einen Post verfassen.
So viel mal zu meiner Überraschungsparty:)
... und anderen Abschieden...
Ja, Abschiede sind momentan das große Thema. Nicht nur bei mir, sondern auch bei allen anderen vom Vorbereitungsseminar, die entweder schon ausgereist sind oder noch kurz davor stehen. Aber es sind nicht nur Abschiede im Bezug auf unseren Freiwilligendienst. Wie verabschieden uns von allem. Von den Schulkameraden, der Schulzeit und damit dem "normalen" Tagesablauf seit 12 oder 13 Jahren. Denn wenn wir wiederkommen wird ein komplett neuer Teil des Lebens anfangen. Wir verabschieden uns vom gewohnten Umfeld, dem Wohnort - und somit Zuhause -, den Freunden die man hier hat.![]() |
| Mit Freundinnen auf "Das Fest 2017" in Karlsruhe. (Ja der klischeehafte Snapchat-Filter sah in diesem Moment einfach besser aus als das Bild ohne ihn:D) |
In meinem Fall kam dann kurz vor den Sommerferien noch die letzte Musikprobe dazu, bei der ich mich von den Musikern verabschieden musste. Es war ein sehr komisches Gefühl, da dieser Mittwoch immer eine Sicherheit hatte. Seit 10 Jahren weiß ich, Mittwoch ist Musikprobe, da seh ich ganz viele Freunde und das jede Woche aufs Neue. Ich bin in diesem Verein schon so lange dabei, dass sie eigentlich wie eine zweite Familie für mich geworden sind und auch das lasse ich jetzt hinter mir.
Ich genieße die letzten Tage im "Urlaub" auf dem Balkon und die süddeutsche Sonne (die ich sicherlich vermissen werde in dem regnerischen Nordirland). Man geht das letzte Mal ins Kino, ein letztes Mal shoppen mit der Freundin. Das letzte Mal durch Karlsruhe laufen und gleichzeitig die Gewissheit haben, dass man sich nächstes Jahr dort nicht mehr zurechtfinden wird, weil die Baustellen einfach wandern aber nicht verschwinden und dann auf einmal Straßen gesperrt sind, die jetzt noch offen waren...
Der letzte Auftritt mit der BigBand heute Abend. Ein letztes Mal zusammen mit meinen Freunden Musik machen und das letzte Mal für über ein Jahr das grüne T-Shirt tragen. Diese Zeit werde ich auch sehr vermissen!
Am Dienstagmorgen, beziehungsweise mitten in der Nacht dann der Abschied von Oma und Opa und meinen zwei Katzen, die das alles garnicht begreifen. Und natürlich dann noch der Abschied von meinen Eltern und meinem Freund am Flughafen, was auch ziemlich komisch sein wird, da ich noch nie alleine geflogen bin.
Aber trotz diesen ganzen Abschieden überwiegt die Vorfreude.
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| Meine Saxoföner, die besten Register-Kollegen!♥ |
... und der gleichzeitigen Vorfreude auf das Neue!
Das muss ich nun machen. Alles, vor dem ich Angst habe, dass ich es verlieren könnte hinter mir lassen, alles Gewohnte, und in einen neuen Lebensabschnitt starten. Alleine. Denn ich habe keine Mit-Freiwilligen kennengelernt, die in der gleichen Einsatzstelle sind wie ich. Das heißt ich fliege am Dienstag und lerne nur neue Leute kennen. Ich weiß dass mich mein Hauskoordinator an der Bushaltestelle in Newry abholen wird. Ich weiß allerdings auch nicht wie er aussieht."... denn du hörst auf den kleinen Mann bei Star Wars:
Train yourself to let go of everything you fear to lose." - Star Wars, Pohlmann.
Ich habe eine Mail bekommen von meiner Hauskoordinatorin, in der sie die Bewohner in meinem Haus beschreibt und das hat meine Vorfreude noch gesteigert. Es hört sich so toll an und ich kann es kaum abwarten sie alle kennen zu lernen! Ich möchte das neue Land erleben, nicht nur wie im Urlaub, sondern ein ganzes Jahr mit allen Jahreszeiten und Facetten. Ich möchte die Kultur kennenlernen und meine Gemeinschaft erleben! Ich bin gespannt auf die Anthroposophie und die Einflüsse, die sie auf mich haben wird und möchte die neuen Landschaften sehen, das Meer und die Berge. Ich möchte neue Freundschaften finden und hoffentlich auch halten können.
Ich freue mich darauf, diese Art der Arbeit zu erleben und Verantwortung zu übernehmen. Und ich freue mich darauf, an Aufgaben, die vielleicht nicht sofort funktionieren, zu wachsen und mich selbst besser oder vielleicht sogar neu kennenzulernen. Jetzt sitze ich hier und habe noch einen vollen Tag in Deutschland (Montag), da man den Dienstag nicht mehr dazu zählen kann, wenn ich morgens schon sehr früh am Flughafen sein muss und kann es kaum abwarten, endlich anzukommen!
Es gibt einen Spruch von einem englischsprachigen Poeten, der meiner Meinung nach sehr passend ist.
"Love her, but leave her wild" (Atticus)Genau das machen meine Freunde und meine Familie und das haben sie immer gemacht. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Ich bin geschlüpft und wurde aufgepäppelt, habe meine Lebenszeit wohlbehütet in unserem "Nest" verbracht aber konnte mich dennoch zu dem entwickeln was ich heute bin.
Und jetzt ist die Zeit gekommen, in der ich meine Flügel spreize und losfliege.
Bis dann,
eure Jovana




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